08.01.2016

von Kirchenmusik in den Hassbergen B° RB

Jauchzet, frohlocket

Nachbericht: Weihnachtsoratorium in Königsberg

Kirchenmusik in den Hassbergen e.V.

Es konnte sich niemand erinnern, am ersten Weihnachtstag jemals soviele Gottesdienstbesucher in der großen Königsberger Marienkirche gesehen zu haben. Das gotische Gotteshaus war bis auf auf den letzten Platz besetzt. Auch viele Gäste aus dem ganzen Landkreis waren gekommen, aber auch viele Gemeindeglieder aus der Königsberger Umgebung. In den letzten Jahren hat, wie überall in Deutschland, der Heilige Abend gottesdiensttechnisch dem ersten Feiertag den Rang abgelaufen. Liturgisch aber, ist der 25. Dezember der eigentliche Weihnachtsfeiertag. An diesem 25. Dezember konnte man in Königsberg erleben, welche Festlichkeit die Gottesdienste an diesem Tag entfalten können und wohl auch für frühere Generationen hatten.

Grund für den regen Besuch war freilich die Kantorei Haßberge unter der bewährten Leitung von Dekanatskantor Matthias Göttemann und das wohl prominenteste Werk Johann Sebastian Bachs: Das Weihnachtsoratorium. Im Gottesdienst wurde daraus die erste Kantate zu Gehör gebracht. Bach schrieb sie als Festmusik 1734 für den ersten Feiertag in Leipzig. Es war sicher damals wie heute ein Kraftakt der besonderen Art für die Musikerinnen und Musiker. Schon um 8:00 Uhr waren sie angereist, die Instrumentalisten aus Würzburg, die Solisten gar aus Berlin. Es blieb nur wenig Zeit bis 10:30 Uhr alles musikalisch zusammenzuführen. Umso erstaunlicher war das großartige Ergebnis.

Besonders stimmungsvoll gelangen die weihnachtlichen Choräle, welche den Gottesdienst rahmten. Diese wurden von der Gemeinde mit Chor und Orchester gemeinsam musiziert. Klang es am Beginn des gemeinsamen Adeste fideles noch etwas holprig, so stimmten sich alle Beteiligten schnell auf die ungewohnte Umgebung ein und das Musizieren versprühte pure Festlichkeit.

Musikalischer Höhepunkt war natürlich das angesagte Weihnachtsoratorium, das vor der Predigt, wie zu Bachs Zeiten, in einem Stück dargeboten wurde. Obwohl der Chor durch den Feiertag nur in reduzierter Besetzung angereist war, stimmte jeder Einsatz, glänzten die Soprane in der Höhe, überzeugten die Bässe als gründendes Fundament und die Mittelstimmen Alt und Tenor fügten die Harmonien zur Vollendung. Kantor Göttemann wählte im Chorsatz ein sehr rasches und mitreisendes Tempo, die Choräle aber wurden sehr innig im feinsten Pianissimo gestaltet.

Auch die durchweg hervorragenden Solisten wussten zu überzeugen. Der schlank geführte Bass von Tohru Iguchi brillierte im „Großer Herr und starker König“ hervorragend begleitet von den Trompetern Michael Schneider, Mike Bräutigam und Raphael Schollenberger. Die Altistin Katharina Heiligtag versetzte die Gemeinde im „Bereite dich Zion“ in kontemplative Stimmung. Tenor Martin Pauli zeigte sich als engagierter Evangelist, der die Weihnachtsbotschaft klanglich ausdeutete. Und von der Sopranistin Yoshie Kaneyasu, die den Choral-Cantusfirmus im Bassrezitativ sehr ausdrucksstark sang, hätte man gerne mehr gehört. Dekanatskantor Matthias Göttemann begleitete außerdem äußerst gekonnt den Gemeindegesang an der Strebel-Orgel.

Als Liturgen bei diesem Festgottesdienst agierten Pfarrerin Claudia Winterstein, Pfarrer Dr. Udo Schmoll, Prädikant Alfred Austel und der Ortspfarrer Peter Hohlweg, der auch das Abendmahl einsetzte.

Okr i.R. Gotthart Preiser ging in seiner Predigt auf die Klangwelten unseres Lebens ein. Die Klangwelt, der schönen Harmonien in den süßen Melodien der Liebe, der Sehnsucht nach Glück oder im Lachen der Kinder. Diese wunderbare Klangwelt schwinge mit in einer wunderbaren Schöpfung, im Singen der Vögel oder in den brausenden Wogen des Meeres, aber auch im schwingenden Metall der Trompeten und Posaunen und im Holz der Geigen. Daneben gäbe es aber auch die andere Klangwelt der schmerzenden Dissonanzen, die herben Klänge der kreischenden Bremsen, der Martinshörner nach einem schlimmen Unfall, die heulenden Granaten, das Weinen der Kinder am Stacheldraht und das Seufzen der Kreatur. Weihnachten erinnere uns daran, dass diese beiden Klangwelten auch das Leben Jesu durchzögen, auch schon zur ersten Weihnacht: Großartiges und Schmerzvolles. Wunder und Leid. Bach greife dies im ersten Choral „Wie soll ich dich empfangen“ seiner Kantate auf. Er ließe diesen adventlich-weihnachtlichen Text auf die Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden“ singen und greife so in der weihnachtlichen Festlichkeit schon der Passion Christi vor.

Letztlich wolle aber Gott durch beide Klangwelten hindurch zu uns vordringen, da seit der ersten Weihnacht die Ehre Gottes in der Höhe mit dem Frieden auf Erden zusammen kommen müsse.

Dass schließlich doch die musikalische Festlichkeit raumgreifende Gegenwart wurde, dafür sorgte Dekanatskantor Göttemann mit seiner Kantorei und den Musikern. Beim gemeinsam musizierten und abschließenden „O du fröhliche“ waren in den dankbaren Gesichtern der Gemeinde die Rührung dieses beglückenden Gottesdienstes ablesbar.

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